47. Wintertreffen Schloss Augustusburg (Sachsen)

Viele haben schon davon gehört, einige haben es bereits besucht: das legendäre Wintertreffen auf dem Schloss Augustusburg. Für Besucher ist die Fülle an zu bestaunenden Fahrzeugen steht’s ein Highlight, für die Fahrer&Aussteller nach wie vor eine der härtesten Bewährungsproben. In seiner mittlerweile 47. Auflage zählt das Wintertreffen mit Recht zu dem ältesten Treffen seiner Art auf dem Gebiet der neuen Bundesländer. Um euch mal einen Eindruck davon zu vermitteln, haben wir unseren Besuch am Samstag, den 13.01.2018, dazu genutzt, einen (hoffentlich lesenswerten) Nachbericht zu liefern. Viel Spaß dabei 😉

 

Samstag, 13.01.2018

Ankunft (11.30 Uhr)

Nach einer kurzen Nacht und einer 2 ½ stündigen Fahrt kamen wir endlich in der kleinen Stadt Augustusburg an. Mit teilweise Sonnenschein und etwa 4°C beste Ausgangslage für Mitte Januar. Schon aus der Ferne war die Schlosskulisse zu erkennen und mit jedem Meter den wir uns näherten stieg die Vorfreude. Am Ortseingang angekommen parkten wir direkt ab, um nicht zu sehr in den Verkehrstrubel zu geraten, denn bereits hier schlängelten sich im Minutentakt die knatternden Zweitakter durch die Autoreihen. Da nahmen wir auch die 5€ für die Tagesparkkarte gern in kauf. Nach einem 15 minütigem Fußmarsch den Schlossberg hinauf – ja, da kamen wir ganz schön ins Schnaufen – waren wir endlich am Ziel angelangt: der Schlosseingang lag vor uns. Und bereits hier durfte man nicht allzu tief einatmen, denn man lief Gefahr, dass die Gemischdämpfe einen in Ohnmacht fallen ließen. Mit 5€ Eintrittspreis für die Tageskarte waren wir ebenfalls vollkommen einverstanden.

Nicht nur der Aufstieg nahm uns den Atem.

Weit kamen wir allerdings nicht nachdem wir den Einlass passiert hatten, denn unsere Aufmerksamkeit lenkte sich bereits Richtung Schlossgraben, in dem man rechts vom Haupttor hinabsteigen konnte. Hier fand man sie, die beinharten Biker, die nicht nur den Weg zum Wintertreffen, sondern auch die Strapazen der Übernachtung im Zelt auf sich genommen haben. Allerlei Fahrzeuge, vorwiegend MZ-Gespanne, um Feuerstellen ausgerichtete Sitzgruppen, kuriose Mopedumbauten&Gestalten sowie Zeltheizungsanlagen gab es hier zu sehen. Wir liefen die Schlossgrabenrunde weiter und gelangten an den westseitigen Schlosseingang. Von hier aus konnten die Zweiräder gesondert auf das Gelände fahren und wir genehmigten uns erst einmal einen Kaffee, um die ankommenden Fahrzeuge zu genießen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eingang zum Schloss (12.00 Uhr)

Beim Blick auf die Uhr fiel uns auf, dass wir bereits 1 ½ Stunden verbummelt hatten. Höchste Zeit also sich zum Schlossinneren aufzumachen. Der erste Weg führte zum dem kleinen Hofgarten des Brunnenhauses. Hier waren, schön in Reih und Glied, (hauptsächlich) Gespanne aufgestellt. Spätestens da machte sich bemerkbar, dass zwar die Zschopauer Zweitakter dominierten, jedoch auch Fahrzeuge anderer Hersteller zahlreich vertreten waren. Seit 1990 war das Wintertreffen auch für andere Typen geöffnet und das war uns im Vorfeld auch klar. Allerdings ist es an dieser Stelle erst richtig aufgefallen. Auch die Menschenmenge verdichtete sich zunehmend, was den Durchgang durch die ohnehin schon schmalen Wege erschwerte. Dazu kam, dass ständig Motorräder an- und abfuhren…da musste man schon ziemlich aufpassen wo man langlief.

Neben den Fahrzeugen konnte man auch Stände großer Zweiradhersteller besuchen. So man denn wollte, konnte man also auch Fahrzeuge von Yamaha, Triumph&Co. besichtigen, oder sich rabattierte Ausstattung zulegen. Aber dafür waren wir ja nicht angereist und daher ließen wir diese Bereiche getrost links liegen.

Neben dem großen Hof des Brunnenhauses befindet sich noch ein kleiner ummauerter Hof, innerhalb dessen die „kleinen Geschwister“ der großen MZ`s zu sehen waren: die Rede ist natürlich von unseren allseits geschätzten Suhler Jagdwaffen. Schade war nur, dass es den Eindruck machte, sie seien aufs Abstellgleis geschoben worden, denn nur hier durften sie im Schlossinneren stehen. Dicht an dicht drängten sich die kleinen 50-Kubiker, die jedoch durchaus mehr Raum verdient hätten. Wirklich schöne Mopeds gab es zu bestaunen, allerdings keine bis wenige im „Orchschinalzustand“. Nicht weiter schlimm, da es ja bei dem Wintertreffen eher auf Fahrbarkeit ankommt. Und sind wir mal ehrlich: wer will seinen mühevoll und teuer aufgebauten Hobel im Januar schon durch die Landschaft fahren 😉

 

 

Großer Schlosshof (13.00 Uhr)

Allerhöchste Zeit sich endlich dem zentralen Schlosshof zu widmen. Während wir die zwei Innenhöfe relativ fix abgegangen waren, wollten wir uns hier ein wenig mehr Zeit nehmen, aber erst einmal eine Futter- und Pipi-Pause.

Der Innenhof war gut gefüllt, es spielte an der zentral aufgestellten Bühne eine Live-Band und die Stimmung war super. Als wir ankamen fand auch gerade die Siegerehrung der 16. Winterzielfahrt statt, die durch den MC Görlitz ausgerichtet wurde. Für ein Startgeld von 10€ können sich hier jährlich Fahrer mit Ihren ZUGELASSENEN Untersätzen ab 50ccm anmelden. Diese müssen dann ihren jeweiligen Startort angeben, dürfen erst an dem Fahrtentag aufbrechen und müssen unterwegs Kontrollpunkte passieren sowie diese auf ihrer Fahrerkarte bestätigen lassen. So soll gewährleistet werden, dass keiner schummelt. Bis zum festgelegten Einfahrtszeitpunkt des selbigen Tages müssen die Fahrer ankommen, damit ihre Leistung in die Wertung eingeht. Wer am Ende die meisten Kilometer zurückgelegt hat, der gewinnt. Tolle und spannende Sache.

Dementsprechend großes Gewusel herrschte auf dem Innenhof, daher galt auch hier: auf die Füße aufpassen!

Zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass die Fahrzeuge hier nicht so interessant waren. Bis auf einige MZ-Geländesportmodelle und die einzigen Ost-Roller (ein Wiesel und ein Pitty), die wir auf dem ganzen Treffen gesehen haben, gab es hier nichts Außergewöhnliches zu entdecken. Naja fast, denn die Ein-Mann-Sauna, die wir zuvor schon im Schlossgraben stehen sehen haben, war nun hierhin gewandert und konnte von todesmutigen Besucher genutzt werden. Wir entschieden uns also, wenn wir schon einmal hier waren, die Gelegenheit zu nutzen und uns die Ausstellung des seit 1961 bestehenden und 2011 neu überarbeiteten Fahrzeugmuseums anzusehen. Hier auch noch einmal 5€ Eintritt (+1€ Fotogebühr), aber auch das ging klar, denn es kommt ja schließlich dem Betrieb des Museums zugute. Ohne hier weiter auf die Ausstellung einzugehen sei nur Eines gesagt: SEHENSWERT! Wer sich für Zweiradgeschichte und technische Entwicklung von Motorrädern interessiert, der ist hier bestens bedient. Neben in- und ausländischen Zweirädern, gibt es auch interessante Video- und Modellstationen sowie auch für die kleinen Besucher Fahrsimulatoren. Nach dem Besuch der Ausstellung wissen wir auch, warum das Fahrzeugmuseum auf der Augustusburg zu den größten und besten in Europa zählt. Kleiner Wermutstropfen: Simson-Fahrzeuge gibt es nicht zu sehen. Auf diese hat man sicherlich verzichtet, da man sie ja in Suhl bestaunen kann.

Großartiger Weise hatte Herr Uwe Meinig, seines Zeichens Museumsleiter des Schlosses Augustusburg seit 1991 und Mitorganisator des Wintertreffens seit 1974, etwas Zeit, um uns ein kurzes Interview zu geben. Hier könnt ihr in Kürze mehr davon lesen.

 

Teilemarkt (15.00 Uhr)

Nach dem Besuch des Treffens im Schnelldurchlauf war es höchste Eisenbahn, dass wir dem Teilemarkt am westseitigen Fuße des Schlossberges einen Besuch abstatteten. Jedoch war das eher ernüchternd. Viele Stände waren es nicht, die ersten Händler packten bereits zusammen und das Spektrum der angebotenen Teile war auch nicht berauschend. Bis auf ein paar Schwalbemotoren für je um die 30€ haben wir nichts weiter gekauft, aber auch die fielen eher in die Kategorie „kann man haben, muss man aber nicht“ und waren eher Frustkauf ^^. Einzig eine originale Trennvorrichtung für die großen TS- und ETZ-Motoren für 100€ war uns ins Auge gestochen und wir ärgern uns im Nachgang, dass wir die nicht mitgenommen haben.

Nach einem Essen in einer nahegelegenen Gaststätte („Zum Schwalbennest“, wie passend) traten wir erschöpft aber zufrieden den Rückweg an und waren gegen 20.00 Uhr wieder in Magdeburg.

 

Fazit

Jeder Zweiradfetischist, Oldtimerspezialist, Alltagsfahrer und/oder Ostradinteressierte sollte wenigstens einmal in seiner Laufbahn das Wintertreffen auf der Augustusburg besucht haben. Für max. 30€ Fixkosten (Parkplatz, Eintritt Treffen&Museum und noch nen Kaffe und ne Wurst) absolut fair. Ob man unbedingt mit Motorrad anreisen muss, ist reine Glaubenssache. Man sollte sich nur drauf einstellen, dass viele Leute dort unterwegs sind (allein in diesem Jahr rund 8000 Besucher und 1500 Fahrzeuge), dass man sich entsprechend warm anzieht und vor allem, dass man sich drauf einstellt, auch eine Menge neumodische Motorräder zu sehen. Alles in allem war die Stimmung bei dem Treffen aber wirklich prima und positiv, es wirkte alles gut organisiert und man konnte jederzeit die freundlichen Leute der Orga und Security nach dem Weg oder Informationen fragen. Daumen hoch und eine absolute Empfehlung! Dem Schloss Augustusburg statten wir sicherlich wieder einen Besuch ab, spätestens zum 28. Oldtimer-Herbsttreffen am 03.10.2018.

Autor: Tony Hannig (Ostrad Inc.)

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